Den nachfolgenden Text haben wir freundlicherweise von der Berner Zeitung BZ zur Veröffentlichung erhalten. Er erschien am 4. September 2007 in dieser Zeitung.

Spitaltag in Marsens

Die Depression im Mittelpunkt

Etwa die Hälfte der Bevölkerung leidet einmal im Leben an einer psychischen Krankheit: Das psychiatrische Spital Marsens thematisiert am Spitaltag die Depression und will damit gegen Stigmatisierung ankämpfen.
Gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, kein Interesse, Selbstzweifel, schwacher Antrieb, Selbstmordgedanken: Wer kennt sie nicht, die vielen Gesichter der Depression?

Dass Marsens am Spitaltag gerade die Depression thematisiert, hat seinen Grund. «In den letzten Jahren hat die Krankheit stark zugenommen», sagt die medizinische Direktorin Graziella Giacometti Bickel am Montag vor den Medien. Die Gründe hiefür seien vielseitig. «Die Strukturen am Arbeitsplatz mit den hohen Anforderungen haben sicher das Ihrige beigetragen.» Wie hoch die genaue Zunahme im Bereich Depression ist, konnte die Ärztin jedoch nicht sagen: «Wir wissen nur, dass in den letzten zehn Jahren die Zahl der Patienten in den Spitälern um 60 Prozent zugenommen hat.» Gewiss ist aber, dass die Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie die Männer: 25 Prozent der Frauen erkranken einmal im Leben an einer schweren Depression, währenddem bei den Männern der Anteil bei 12 Prozent liegt. 2006 sind 1600 Patienten ins Spital eingetreten. Von ihnen waren 470 Menschen depressiv. «Oft sind es mehrere Gründe, die dazu führen», erklärt die medizinische Direktorin. Belastende Lebenssituationen wie Scheidung, Tod eines Angehörigen, Verlust des Arbeitsplatzes stehen dabei im Vordergrund. Eine Depression auslösen kann aber auch eine Krankheit oder eine genetische Prädisposition. Die Patienten mit einer Depression verbringen eine bis mehrere Wochen im Spital. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 35 Tagen. Das Behandlungskonzept ist vielfältig und umfasst nebst Medikation auch Gespräche, Sport und Freizeitaktivitäten und Spezialtherapien. Trotzdem ist die Rückfallquote beachtlich: 50 Prozent nach einer ersten Episode, 90 Prozent nach der dritten. 15 Prozent der Patienten mit einer depressiven Erkrankung beenden ihr Leben gar mit einem Suizid. Die Nachbetreuung sei in diesem Prozess ein wichtiger Faktor, bemerkt Gesundheitsdirektorin Anne-Claude Demierre und wies auf die ambulanten Stationen hin. Das neue psychiatrische Gesetz (tritt 2008 in Kraft) sieht in Marsens eine französische und eine zweisprachige Abteilung vor, wie Spitaldirektor Robert Overney auf Anfrage erklärt. Tagesstrukturen beziehungsweise eine Tagesklinik für Deutschsprachige sollen ebenfalls in Merlach und in Freiburg geschaffen werden. Noch liege, so Overney, nichts Konkretes vor, zumal die Infrastruktur in Merlach noch nicht vorhanden sei. Mit dem Spitalfest will Marsens die Bevölkerung für die psychischen Leiden sensibilisieren: «Damit wollen wir zur Destigmatisierung beitragen», ergänzt Verwaltungsdirektor Serge Renevey. Am Samstag zeigen Fachleute einen Behandlungsverlauf auf und berichten unter anderem über das Burn-out. Weiter besteht die Möglichkeit, mit einem Psychiater ein persönliches Gespräch zu führen. Um14 Uhr gibt die Rockgruppe Tafta ein Gratiskonzert. Das Spitalfest findet im Rahmen des zweiten nationalen Spitaltages statt, der unter dem Motto «Am Puls des Lebens» steht. il/ats

 

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www.psychologyinfo.com
 

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